Gut-Achten

Erhebung: zur Situation von Begutachtungen bei Armutsbetroffenen und chronisch Kranken

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Die Ergebnisse einer Befragung von 850 Betroffenen, erhoben vom Verein Chronisch Krank, der Armutskonferenz und der Initiative „Lichterkette“ für Menschen mit psychischen Erkrankungen weisen auf dringenden Reformbedarf im System „Gutachten“ hin. Sie zeigen nicht bloß Unzufriedenheit. Sie zeigen einen massiven Vertrauensbruch. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, die Begutachtung sei nicht frei von Vorurteilen gewesen. Drei Viertel fühlten sich nicht ausreichend ernst genommen oder respektiert. Viele berichten, dass sie ihre Situation gar nicht wirklich schildern konnten, weil die Gespräche kurz, hektisch oder herablassend verliefen. Sie erzählen von Panikattacken nach Begutachtungen. Von Weinkrämpfen am Heimweg. Von Gutachter*innen, die Krankheiten bagatellisieren. Besonders Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Long Covid berichten immer wieder, dass ihnen implizit unterstellt wird, sie würden simulieren oder „nicht wollen“. Andere erzählen, wie medizinische Befunde schlicht nicht berücksichtigt wurden. Viele schildern die Begutachtung selbst als gesundheitliche Verschlechterung. Manche mussten sich ihre Ansprüche erst vor Gericht erkämpfen.

Auch beim Sozialministeriumservice treten immer wieder Probleme im Zusammenhang mit der erhöhten Familienbeihilfe auf. Trotz einer bleibenden Behinderung wird wiederholt zu Begutachtungen geladen. Zusätzlich erleben viele Familien es als problematisch, wenn in einer stark defizitorientierten Sprache über die Kinder gesprochen wird, während diese selbst daneben sitzen.


Weitere Informationen:

PVA Begutachtung Konzept