Desolate Wohnbedingungen, Arm trotz Arbeit, gesundheitliche Einschränkungen und Chancentod für Kinder

Sonderauswertung der Statistik Austria zu Lebensbedingungen von Mindestsicherungs-BezieherInnen

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(7.11.2019) Eine aktuelle Studie der Statistik Austria gibt ein realistisches Bild über Lebensbedingungen von Mindestsicherungs-BezieherInnen:

  • Sehr hohe Raten bei gesundheitlichen Einschränkungen, chronischer Krankheit und Behinderung.
  • Starke negative Effekte bei Wohnsituation
  • Massive Auswirkungen auf Gesundheit, Chancen und Teilhabe bei Kindern

Hohe Wohnkostenbelastung und desolate Wohnbedingungen

Menschen in der Mindestsicherung sind von ihren Wohnkosten deutlich stärker belastet als der Rest der Bevölkerung. Gleichzeitig können 15 Prozent der Mindestsicherungsbezieher ihre Wohnung nicht warm halten. Das ist siebenmal öfters als Haushalte ohne Mindestsicherung.

Das geht aus einer aktuellen Sonderauswertung der Lebensbedingungen von Mindestsicherungsbeziehenden und ihren Haushalten durch die Statistik Austria für das Sozialministerium hervor.

Wenig überraschend wohnen Mindestsicherungsbezieher auch in viel kleineren und schlechteren Wohnungen. Während die durchschnittliche Wohngröße in Österreich bei 90 Quadratmetern liegt, ist sie bei Mindestsicherungsbeziehern mit 58 Quadratmetern deutlich kleiner. Haushalte mit Kindern ohne Mindestsicherungsbezug leben durchschnittlich auf 108 Quadratmetern, jene mit Mindestsicherungsbezug dagegen auf 68 Quadratmetern.

Die Wohnungen der Menschen, die auf die Mindestsicherung angewiesen sind, sind nicht nur kleiner, sondern auch von schlechterer Qualität, wie die Erhebung zeigt. 25 Prozent geben an, dass in ihren Wohnungen Feuchtigkeit, Fäulnis oder Undichtheit vorhanden ist. In Haushalten ohne Mindestsicherung besteht dieses Problem nur bei elf Prozent. 15 Prozent der Haushalte mit Mindestsicherung geben an, die Wohnung nicht warm halten zu können, bei Haushalten ohne Mindestsicherung sind das nur zwei Prozent.

Starke Benachteiligung von Kindern mit vielen negativen Auswirkungen

Die Armutskonferenz macht gegenüber der APA darauf aufmerksam, dass diese Zahlen vor den geplanten Kürzungen der Sozialhilfe erhoben wurden und sich damit die Situation der Betroffenen noch weiter verschärfen könnte. Desolates Wohnen wirkt sich besonders hemmend auf Bildungschancen und die Gesundheit der Kinder aus: 27% der Kinder muss in feuchten Wohnungen leben, 58% der Wohnungen sind überbelegt, 17% dunkle Räume.

"Kinder und Jugendliche, die in Haushalten mit niedrigem Einkommen aufwachsen, haben Nachteile, die in mehreren Bereichen sichtbar werden. Die Gefahr des sozialen Ausschlusses zeigt sich in den geringeren Möglichkeiten, Freunde einzuladen, Feste zu feiern und an kostenpflichtigen Schulaktivitäten teilzunehmen", warnt Martin Schenk von der Armutskonferenz vor den unter Türkis-Blau geplanten Einschnitten bei Kindern. Kinder in der Mindestsicherung können 22 mal weniger an Sport und Freizeitaktivitäten teilnehmen, 4 mal weniger Feste feiern, 10 mal weniger Einladungen an Freunde stellen, 19 mal weniger an Schulaktivitäten teilnehmen.

Dabei haben mehr als die Hälfte der Familien mit Kindern (57 Prozent) Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Für Schenk weist das auf "working poor und prekäre Arbeit" hin. Working Poor sei das große verschwiegene Thema hinter der Debatte um die Mindestsicherung.

Weiters weisen 29% der MindestsicherungsbezieherInnen einen sehr schlechten Gesundheitszustand auf, 25% sind stark beeinträchtigt durch eine Behinderung

Details in der Zusammenfassung zentraler Ergebnisse: Lebensbedingungen.Menschen.Mindestsicherung