Armut in Österreich

Aktuelle Armuts- und Verteilungszahlen

Zahlen-Überblick zu Armut und Verteilung in Österreich

Daten aus EU-SILC 2014 (veröffentlicht im Juni 2015):

Aktuelle Armutsgefährdungsschwelle: 1.161€ monatlich für einen Einpersonen-Haushalt

19,2% der öster. Bevölkerung (2013: 18,8%) sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet (d.h. das Einkommen liegt unter der Armutsschwelle oder die Personen sind erheblich materiell depriviert oder leben in Haushalten mit keiner/ sehr geringer Erwerbsintensität)

14.1% der öster. Bevölerung (2013: 14,4%) sind armutsgefährdet (d.h. haben ein Einkommen unter der Armutsschwelle)

4% der öster. Bevölkerung (2013: 4,2%) sind "erheblich materiell depriviert" (darunter fallen Haushalte, die so ein geringes Einkommen haben, dass wesentliche Güter/ Lebensbereiche nicht leistbar sind - z.B. Waschmaschine, Handy, Wohnung angemessen warm zu halten, ein Mal im Jahr auf Urlaub zu fahren, unerwartete Ausgaben bis zu 1.050€ etc.)

Am stärksten betroffen sind Nicht-ÖsterreicherInnen, Langzeitarbeitslose, AlleinerzieherInnen und Familien mit 3 oder mehr Kindern.

Tabellenbänder zu den aktuellen Armutszahlen finden sich auf der Website der Statistik Austria: www.statistik.at

Weitere Erklärungen und Zahlen zu Armut und sozialer Ausgrenzung (ACHTUNG: Zahlen nicht mehr ganz aktuell! > Aus EU-SILC 2013): Zusammenfassung EU-SILC 2013 (pdf)

Zahlen zu Reichtum und Verteilung (Stand November 2012)

… zunehmende Ungleichheit innerhalb der Arbeitseinkommen
… Vermögenseinkommen wachsen rascher als Arbeitseinkommen
Bei Reichtum ist vorrangig nicht Einkommen das Thema, sondern Vermögen (Aktien, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen)

Vermögen sind in Österreich äußerst ungleich verteilt. („ausgeprägte Vermögensungleichheit“)
Besitzer hoher Vermögen werden nur eingeschränkt erfasst. Die tatsächliche Ungleichverteilung ist demnach noch viel größer.

Obersten 5 % besitzen die Hälfte des Gesamtvermögens

Die Anteile der vier Haushaltsgruppen am gesamten Vermögen in Österreich unterscheiden sich beträchtlich voneinander. So verfügt die gesamte untere Hälfte der Haushalte über rund 4% des gesamten Bruttovermögens. Die obere Mitte (30% der Haushalte) hält rund 22% des gesamten Bruttovermögens, die Vermögenden (15% der Haushalte) besitzen rund 29% und die Top-5% halten rund 45% des gesamten Bruttovermögens. Anders ausgedrückt: die kleinste Gruppe (Top-5%) besitzt fast die Hälfte des gesamten Bruttovermögens, während die größte Gruppe (untere Hälfte) nur einen minimalen Anteil am gesamten Bruttovermögen hat.

Das ärmste Haushaltszehntel hat ein Nettovermögen von maximal 977 Euro.

7% weisen ein „negatives“ Vermögen aus, sind also überschuldet.

Zwei wesentliche Größen um die Verteilung der Nettovermögen zu bestimmen ist der Median sowie der Mittel- bzw. Durchschnittswert.
Der Medianwert der Nettovermögen liegt bei 76.000 Euro – exakt 50 % der Haushalte verfügen mehr, 50 % weniger Vermögen.

Der Durchschnitt liegt dagegen um ein Vielfaches über dem Median – nämlich bei rund 265.000 Euro! Je weiter entfernt der Durchschnittswert vom Median liegt, desto stärker ist die Ungleichverteilung, sprich die Vermögenskonzentration oben. Durchschnittlich besitzen die Haushalte ein Nettovermögen von 265.000 Euro. Tatsächlich – siehe oben – verfügen 75 % aller Haushalte weniger als 250.000 Euro. Der „Durchschnittswert“ von 265.000 Euro fällt ins 8. Dezil – also in den Bereich der reichsten 20 %!

„Dies illustriert wiederum die ausgeprägte Rechtsschiefe der Verteilung des Nettovermögens. Es gibt sehr viele Haushalte mit einem geringen Nettovermögen und sehr wenige Haushalte mit sehr hohem Nettovermögen.“ (OeNB)

Verteilung Finanzvermögen

Dabei besitzen

drei Viertel aller Finanzvermögen besitzender Haushalte weniger als 50.000 Euro,
nur 10 % der Haushalte mehr als 105.000 Euro,
nur rund 1,3 % mehr als 500.000 Euro Finanzvermögen.
Der Medianwert bei den Finanzvermögen liegt bei 14.000 Euro.
Der Durchschnitts- oder Mittelwert bei 48.000 Euro.

Große Vermögensungleichheit in Österreich:

Nettovermögen: Ginikoeffizient von 0,76
Erbschaften: Ginikoeffizient von 0,94

Einkommen ist deutlich weniger konzentriert als das Vermögen. Der Ginikoeffizient zur Ungleichheit der Vermögensverteilung ist mehr als doppelt so hoch wie jener der Einkommensverteilung. Dafür ist Immobilienvermögen noch ungleicher verteilt und Unternehmenseigentum überhaupt nur in den höchsten Vermögensstufen von Relevanz. Die Nationalbank weist darauf hin, dass Besitzer hoher Geldvermögen nur eingeschränkt erfasst werden. Die tatsächliche Ungleichverteilung ist demnach noch viel größer.

Erben ist einer der wichtigsten Vermögensquellen.

Mit dem Nettovermögen steigen Erbhäufigkeit und -volumen stark an, „reiche“ Haushalte erben also eher und mehr als „arme“ Haushalte, wenn auch Erbschaften für arme Haushalte in Bezug zu ihrem gehaltenen Vermögen bedeutender sind.
Ungleichheit wird vererbt (nicht nur in der Schule).

Vermögensunterschätzung

Vermögende unterschätzen ihre Vermögensposition und ordnen sich Richtung Mitte ein. Der Prozentsatz der Haushalte, die sich in das Nettovermögensdezil einordnen, in dem sie sich tatsächlich befinden, sinkt stark mit zunehmendem Nettovermögen. So ordnen sich 29% der Befragten, die in einem Haushalt im untersten Nettovermögensdezil leben, auch in diesem untersten Dezil ein. Bei den obersten vier Dezilen der vermögendsten Haushalte sind dies hingegen jeweils nur weniger als 10%, im 9. Und 10. Dezil sind es sogar weniger als 1%.

Quellen und Links:

Statistik Austria (2012): Tabellenband EU Silc 2011 - Einkommen, Armut und Lebensbedigungen (pdf)

Fakten zur Vermögensverteilung (pdf) - Kapitel 13 des Sozialbericht 2011-2012 (BMASK)

Household Finance and Consumption Survey des Eurosystems 2010 - Erste Ergebnisse für Österreich(Link - pdf) - Studie zur Vermögensverteilung in Österreich

Weitere Informationen: Statistik Austria Soziale Eingliederung (link)

Übersicht aktuelle Armuts- und Verteilungszahlen der Armutskonferenz

Texte in der Datenbank: Kategorie Statistiken , Kategorie Reichtum / Verteilung

Ursula Till-Tentschert: Armut in Österreich - statistisch betrachtet (pdf)