Newsletter April 2008 - 02
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7. Armutskonferenz: Beschämung ist eine soziale Waffe
Sozialhilfevollzug reformieren, neue Angebote am AMS schaffen, Zugang zum Gesundheitssystem verbessern, sozial durchlässige Schule. „Beschämung ist eine soziale Waffe“, erklärt Sighard Neckel, Professor am Institut für Soziologie der Uni Wien im Eröffnungsreferat zur 7.Österreichischen Armutskonferenz, zu der sich über 400 TeilnehmerInnen in Salzburg zusammengefunden haben.
Mehr Ergebnisse der 7. Armutskonferenz ...
Armutskonferenz startet Initiative
„für Mindestsicherung, die zum Leben reicht“.
- existenzsichernde Mindestlöhne und Sozialleistungen
- gute soziale Infrastruktur: leistbare Wohnungen, gerechte Bildungschancen, flächendeckende Kinderbetreuung, Gesundheitsvorsorge,..
- Qualifizierung und qualitätvolle Arbeitsplätze
- Respekt statt Ausgrenzung
http://www.armut.at/postkarte_mindestsicherung.pdf
http://www.armut.at/7armutskonferenz_ergebnisse_kurz.pdf
- Orte der Beschämung: Sozialamt, Arbeitsmarktservice, Gesundheitssystem, Schule. Menschen mit Armutserfahrung berichten.
- Sozialhilfevollzug der Länder verbessern, neue Angebote am AMS schaffen. Rechtwidrige Praktiken in den Ländern abstellen. Neue Arbeitsmarktpolitik für Benachteiligte etablieren.
- Gesundheitssystem: Stigmatisierung hat negativen Einfluß auf Krankheitsverlauf. Für eine österreichische Gesundheitsstrategie gegen den frühen Tod und das hohe Krankheitsrisiko Armutsbetroffener.
- Schule: Einmal arm, darf nicht immer arm heißen. Für eine Schule, die nicht sozial ausgrenzt.
- Beschämung ist eine soziale Waffe. Beschämung rechtfertigt die Bloßstellung und Demütigung als von den Beschämten selbst verschuldet.
Film erstellt von der 7. Österreichischen Armutskonferenz
Film für pc | mac downloaden (rewalk)
Für eine Mindestsicherung, die zum Leben reicht
Zentrale Ergebnisse der 7.Österr. Armutskonferenz wurden Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg überreicht. Die VertreterInnen der Armutskonferenz wiesen dabei auf die Orte hin, an denen Armutsbetroffene Beschämung erfahren. Von Betroffenen immer wieder genannt werden Behörden wie das Sozialamt und das Arbeitsmarktservice, weiters das Gesundheitssystem und die Schule.
In diesem Zusammenhang präsentierte die Armutskonferenz Bundespräsident Fischer ihre neue Initiative „für eine Mindestsicherung, die zum Leben reicht. Denn selbst das Notwendigste ist für viele unerreichbar." Der Bundespräsident würdigte den Einsatz der Armutskonferenz. Auch in Österreich gehe die soziale Schere auf und umso wichtiger seien umfassende Massnahmen zur Bekämpfung von Armut wie sie die Armutskonferenz vorschlägt.
Bild: http://www.armut.at/bilder/Armutskonferenz_ Bundespraesident2.jpg
Copyright: Dragan Tatic /HBF
http://www.armut.at/armutskonferenz2008_schande.htm


Weitere 570.000 „armutsgefährdet“.
460 000 Menschen (6 % der Wohnbevölkerung) in Österreich sind “manifest arm“, Frauen stärker als Männer. Ein Viertel der Armutsbevölkerung sind Kinder. Ihre Eltern sind zugewandert, erwerbslos, alleinerziehend oder haben Jobs, von denen sie nicht leben können. Weitere 570 000 Menschen (7%) sind "armutsgefährdet". Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgrenze.
Die reichsten 800.000 Personen haben einen fünfmal so hohen Lebensstandard wie die 800.000 ärmsten Menschen in Österreich. Die Schwelle zur Armutsgefährdung liegt bei 893 Euro pro Monat. Insgesamt sind rund 380.000 (21%) Kinder und Jugendliche in einem von 4 zentralen Lebensbereichen mehrfach benachteiligt: Sie wachsen entweder in schlechter Wohnungsqualität oder –umwelt auf oder müssen auf benötigte Konsumgüter oder elementare Grundbedürfnisse verzichten.
Die Erhebung zeigt, dass nahezu ein Viertel aller Armutsgefährdeten in Österreich unter 20 Jahre alt ist. Hochgerechnet sind somit etwa 250.000 Kinder und Jugendliche in Österreich armutsgefährdet. Über ein Drittel (39%) dieser Kinder und Jugendlichen kommt aus Haushalten mit Migrationshintergrund.
Haushalte mit nur einem Elternteil (28%) sowie Familien mit mehr als zwei Kindern (16%) bzw. Familien mit Kleinkindern (16%) haben erhöhtes Armutsrisiko, besonders dann, wenn Mütter nicht erwerbstätig sind (21%). Auch allein lebende Frauen (26%) sind stärker gefährdet als allein lebende Männer (16%). Personen ohne EU Staatsbürgerschaft zählen zu den am stärksten gefährdeten Gruppen (28%). Hauptrisikofaktor für Armutsgefährdung ist mangelnde oder prekäre Erwerbseinbindung.
Die Hälfte der Bevölkerung lebt in einem Haushalt mit einem äquivalisierten Jahreseinkommen von mehr als 17.852 Euro netto lebt. Auf zwölf Monate gerechnet ergibt das ein mittleres Monatseinkommen von 1.488 Euro pro Monat. Dieses bedarfsgewichtete Einkommen gilt als Richtwert für den Lebensstandard der Bevölkerung in privaten Haushalten in Österreich.
Zusammenhänge zwischen niedrigem Einkommen, materieller Benachteiligung und sozialer Isolation
Menschen in Armutslagen leben wesentlich öfter allein, haben seltener Kontakte außerhalb des Haushaltes und können deutlich seltener auf ein tragfähiges Unterstützungsnetzwerk zurückgreifen als andere Personen. Bei Frauen in manifesten Armutslagen ist soziale Isolation besonders stark ausgeprägt, während sie bei Männern vor allem gleichzeitig mit Arbeitslosigkeit auftritt.
Menschen in Armutslagen leben wesentlich öfter allein
Die Ergebnisse der Statistik Austria zeigen, dass rund 1,2 Millionen Menschen (18%) in Österreich in Einpersonenhaushalten leben. Verglichen mit dem Durchschnitt in der Bevölkerung leben arbeitslose Männer (26%) und Frauen in Pension (45%) überdurchschnittlich häufig allein. 2% der Erwachsenen, vor allem Frauen, leben als einziger Elternteil zusammen mit einem oder mehreren Kindern. Frauen, die in zentralen Lebensbereichen mehrfach benachteiligt sind, leben häufiger allein oder nur mit Kindern im Haushalt (29%), ebenso einkommensarme Frauen (39%) oder manifest arme Frauen (55%). Bei Männern ist der Anteil der alleine lebenden nur in manifesten Armutslagen erhöht (32%).
Soziale Isolation tritt in manifesten Armutslagen stark gehäuft auf
Rund 70% der Frauen haben mindestens einmal pro Woche Kontakt zu Verwandten; Kontakte zu Freunden sind bei Frauen ebenso häufig. Hingegen haben nur 58% der Männer Kontakt zu Verwandten, 71% jedoch zu Freunden. Insgesamt haben 93% der Frauen und 91% der Männer regelmäßigen Kontakt zur Verwandtschaft oder zum Freundeskreis oder zur Nachbarschaft. Anders betrachtet bedeutet dies, dass 238.000 Frauen (7%) und 302.000 Männer (9%) keinen wöchentlichen Kontakt zu einer dieser Gruppen haben und nach dieser Definition sozial isoliert sind. Bei arbeitslosen Männern ist der Anteil der sozial isolierten Personen mit 16% am höchsten.
Den geringsten Anteil sozial isolierter Personen weisen "nicht arme" Frauen und Männer (5% bzw. 7%) auf, das sind Personen, die weder im obigen Sinne benachteiligt sind noch einkommensmäßig unter der erwähnten Armutsgefährdungsschwelle liegen. Bei den sogenannten "einkommensarmen" Personen, das sind jene, deren Einkommen zwar unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt, die aber keine genannten Benachteiligungen aufweisen, ist der Anteil sozial isolierter Frauen und Männer etwas höher (7% bzw. 10%). Stärker eingeschränkt sind die sozialen Beziehungen bei "deprivierten Personen", das sind jene, die wie erwähnt benachteiligt, aber nicht armutsgefährdet sind: Der Anteil der deprivierten Frauen (11%) und Männer (15%), die keine sozialen Kontakte haben, ist doppelt so hoch wie bei nicht Armen. Am stärksten isoliert sind "manifest Arme", die sowohl einkommensmäßig armutsgefährdet als auch im genannten Sinn benachteiligt sind. Bei manifest armen Frauen (14%) ist der Anteil der sozial isolierten Personen rund dreimal, bei manifest armen Männern (15%) mehr als doppelt so hoch wie bei "nicht Armen".
Mehr dazu:
http://www.statistik.at/web_de/dynamic/statistiken/soziales/ armut_und_soziale_eingliederung/030351
http://www.statistik.at/web_de/dynamic/statistiken/soziales/ armut_und_soziale_eingliederung/publdetail?id=152&listid =152&detail=459
„Ohne Geld ka Musi“ hieß es am Wiener Aktionstag von Hunger auf Kunst und Kultur. Start war an einem der wenigen warmen Märztage mit einer Manifestation und Frühstück vor dem Parlament. In Graz ging es eine Woche später los – mit vielen Aktionen auf der Strasse und in den Theatern, Museen und Ausstellungshäusern.
Und Seit April gilt der Kulturpass auch in Tirol. Zahlreiche Tiroler Kultureinrichtungen öffnen ihre Türen für diejenigen, die sich`s grad nicht leisten können.
Mehr zu www.hungeraufkunstundkultur.at
Im Oktober erstmals „Tag des Bleiberechts“
Am Freitag, den 4. April fand in Linz die erste bundesweite Bleiberechtskonferenz statt. Die große Zahl von über 250 Interessierten sprengte alle Erwartungen der OrganisatorInnen. Ziel der Konferenz war es, eine österreichweite Vernetzung einzuleiten.
In der Konferenz wurde beschlossen, im Oktober einen österreichweiten "Tag des Bleiberechts" zu veranstalten. Dieser soll - nach dem Vorbild des Tags des Flüchtlings - Anlass für viele Aktivitäten von Bürgerinitiativen, NGOs und Betroffenen werden. Der genaue Termin wird in den kommenden Wochen bekannt gegeben. Noch im Mai ist eine weitere Konferenz zur Vorbereitung des Bleiberechtstages in Aussicht genommen.
Mehr dazu unter: http://www.sosmitmensch.at/stories/1787/
Das Armutsnetzwerk Voecklabruck hat die Mailaktion "Bleiberecht jetzt- FÜR MENSCHLICHKEIT UND VERNUNFT!" initiiert und ruft dazu auf, jeden Dienstag um 15 Uhr das unter der webadresse stehende Beispiel-Email an die zustaendigen Politiker (Innenminister, Bundeskanzler, Vizekanzler und den jeweiligen Landeshauptmann) zu schicken.
Mehr dazu unter: http://www.sozialzentrum.org/armut/frameset.htm
Konferenz des Netzwerks oesterreichischer Frauen- und Maedchenberatungsstellen:
Datum: 8.5.2008; 14:00 - 18:30
Ort: Veranstaltungszentrum der BAWAG/P.S.K.; Hochholzerhof, Seitzergasse 2-4, 1. Stock, 1010 Wien
Nähere Informationen und Anmeldung bitte unter: netzwerk@netzwerk-frauenberatung.at und
http://www.netzwerk-frauenberatung.at/nfb/index.htm
Datum: 28. - 30. Mai
Ort: Bildungszentrum St. Magdalena in Linz
Mehr Informationen, sowie das Programm zum herunterladendazu unter:http://www.bawo.at/"it-IT"
Kontakt: Frau Nina Sajko, e-mail: fachtagung@bawo.at
Perspektiven gegen Armut und soziale Ausgrenzung in Österreich
Hrsg.: Gerald Knapp / Heinz Pichler, € 46,- ISBN 979-3-7086-0362-9
Mehr über das Kärtner Armutsnetzwerk: http://www.kaernten.armutsnetzwerk.at/
Aktion zum Tag der Arbeitslosen: 30. April 2008
Filmvorführung – Diskussion – Lesung
Datum: 30. April 2008, 18:30-21:00 Uhr
Ort: Albert Schweizer Haus, Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien
Veranstalter: Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz (BMSK)
Datum: 15. Mai 2008
Ort: Palais Ferstel in Wien
mehr unter: http://www.bmsk.gv.at/cms/site/liste.html?channel=CH0852
Auswege aus der Armutssprirale oder westliche Kriegsstrategien?
Das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) lädt zur 25. Internationalen Sommerakademie
Datum: Sonntag, 6. Juli - Freitag, 11. Juli 2008
Ort: Burg Schlaining/Burgenland.
Mehr unter: http://www.aspr.ac.at/sak.htm
8. Österreichische Armutskonferenz:
Montag, den 22. Februar bis Mittwoch 24. Februar 2010, dem europäischen Jahr der Armutsbekämpfung.
© DIE ARMUTSKONFERENZ,
Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung
Snail-Mail Gumpendorferstraße 83, 1060 Wien | T+43-1-402 69 44 12
E-Mail office@armutskonferenz.at W http://www.armutskonferenz.at