Die Armut ist weiblich, diese Erkenntnis wird seit Jahren von unterschiedlichen AkteurInnen so häufig verwendet, dass sie beinahe zur Floskel geworden ist und nicht selten mit Simplifizierungen und Halbwahrheiten einhergeht.
Nach wie vor gibt es aufgrund der Haushaltsbasis gängiger Armutsstatistiken kaum verlässliche Daten zum tatsächlichen Ausmaß der Armutsbetroffenheit von Frauen. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass überall auf der Welt Frauen vergleichsweise häufiger und stärker von Armut betroffen sind als Männer. Der daraus häufig gezogene Schluss "Frau = arm" ist jedoch so gefährlich wie oberflächlich und verstärkt gängige Geschlechterdichotomien und -stereotype.
Die Gründe der Armutsbetroffenheit von Frauen sind vielfältig und reichen weit über das engere Feld der Sozialpolitik hinaus. Das komplexe Netz patriarchaler Machtstrukturen und eine symbolische Ordnung, die der sozio-ökonomischen Benachteiligung von Frauen voran- bzw. mit dieser einhergeht, muss nicht nur als tieferliegende Ursache für die Armutsbetroffenheit und -gefährdung von Frauen analysiert, sondern auch in Zusammenhang mit all jenen Lebensbereichen, die traditionell Frauen zugeordnet wurden und werden, verstanden werden.
Neben der noch stets klaffenden Einkommensschere im Erwerbsbereich ist es vor allem die gering bzw. gar nicht entlohnte und ökonomisch untererfasste Übernahme lebensnotwendiger Fürsorgeaufgaben und ein stark auf Erwerbsarbeit zentriertes Sozialsystem, das viele Frauen "arm" macht.
Dokumente zu Frauenarmut