Bildung

In Österreich gilt immer noch: Wer arme Eltern hat, hat schlechte Chancen auf eine gute Ausbildung. Das derzeitige österreichische Schulsystem ist ein System der frühzeitigen sozialen Auslese. Die ersten Weichen werden bereits im Kindergarten gestellt, spätestens nach der Volksschule erfolgt die Selektion in Hauptschule und Gymnasium. Das Einkommen der Eltern hat einen wesentlichen Einfluss auf die Schulwahl: Kinder aus Haushalten mit niedrigen Einkommen gehen nach der Volksschule mehr als doppelt so oft in die Hauptschule wie Kinder aus Familien mit hohen Einkommen. Eine schlechte Ausbildung führt in der Folge zu verminderten Chancen am Arbeitsmarkt und zu einem höheren Armutsrisiko. Wenn es um den Zusammenhang zwischen Bildungschancen und sozio-ökonomischem Status geht, steht Österreich im internationalen Kontext erwiesenermaßen schlecht dar. (Vgl. OECD Studien wie die „PISA-Studie“ oder die „Thematic Review on Migrant Education“ oder „Equity and Education“).

Auch in der Erwachsenenbildung und in der Weiterbildung haben arme Menschen schlechtere Startbedingungen. Weiterbildung kostet in der Regel Geld und Zeit und kann von ärmeren Menschen dementsprechend weniger in Anspruch genommen werden.  

Eine unzureichende (Aus)bildung ist eine wichtige Dimension, die zu Armut führen kann bzw. bestehende Armut verfestigt. Das Bildungssystem muss daher Benachteiligungen unterer sozialer Schichten ausgleichen. Das Konzept des „Life Long Learnings“, das beruflichen und sozialen Aufstieg durch den geeigneten Kurs, die geeignete Weiterbildungsmaßnahme etc. verheißt, ist allerdings als alleiniges Allheilmittel zu hinterfragen, da es strukturelle Benachteilungen (Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund) abseits von Qualifikation verdecken kann.

 

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