Gesundheit | Krankheit
Innerhalb der sozial- und gesundheitspolitischen Diskussion spielt die Ungleichbehandlung von armutsbetroffenen Personen nach wie vor nur eine geringe Rolle, obwohl die Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit bzw. Krankheit hinlänglich bekannt sind. Eine Abkehr vom Solidarprinzip und eine Zunahme der Selbstbeteiligung der PatientInnen verstärken die gesundheitliche Ungleichheit in Österreich.
Bestimmend für die gesundheitlichen Chancen sind neben Bildung und sozialem Status die materielle Lage, die auch ausschlaggebend dafür ist, welchen Lebensstil man praktizieren kann, in welcher Wohngegend man zum Beispiel wohnt, oder auch, ob man sich gesunde Nahrungsmittel leisten kann. Von Armut betroffene Menschen sterben früher und sind öfter krank. Die meisten chronischen Krankheiten, wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebserkrankungen, sind in unteren Einkommensschichten weitaus stärker verbreitet als in höheren.
Gesundheitsschädigendes Verhalten (wie Rauchen, ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung) zu vermindern, ist sehr oft ein Ansatzpunkt, um gesundheitlicher Ungleichheit entgegen zu wirken. Am Verhalten anzusetzen kann aber nicht ausreichen, weil gesundheitsschädigendes Verhalten erwiesenermaßen mit der sozialen Herkunft zusammenhängt. Zu den materiellen und psychosozialen Belastungen im Lebenslauf zählt etwa der Umstand, dass Menschen mit niedrigem Einkommen sehr oft in Branchen arbeiten, wo sie höheren Belastungen wie Lärm und Schmutz ausgesetzt sind, aber auch oft Berufe ausüben, in denen sie wenig Gestaltungsmöglichkeiten haben, was wiederum einen Einfluss auf die psychosoziale Gesundheit hat.
Maßnahmen, die gesundheitlicher Ungleichheit entgegenwirken, müssen zielgruppenspezifische Anreizsysteme und Lösungen im Blick haben sowie die Betroffenen einbinden. Nicht zuletzt muss soziale und gesundheitliche Ungleichheit ein zentrales Thema der Gesundheits- und Sozialpolitik werden.
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