Kriminalisierung

Arme sind nicht gewalttätiger und krimineller als andere Menschen. Die überwiegende Mehrzahl der strafrechtlichen Normverstöße von armen Menschen beruht auf einfachen Eigentumsdelikten (Ladendiebstähle, Versandhausbetrügereien, etc.). In den neoliberalen Debatten der Gegenwart  wird häufig bestritten, dass relative Armut aufgrund von mangelnder öffentlicher Fürsorge entsteht. Vielmehr werden „Armutsfallen“, Verführung zu Armut, Unselbständigkeit und „Parasitismus“ infolge staatlicher Versorgung für das Andauern von Abweichung, Normverletzung und Kriminalität  verantwortlich gemacht. Arme sind aber nicht gewalttätiger und krimineller als andere Menschen. Die überwiegende Mehrzahl der strafrechtlichen Normverstöße von armen Menschen beruht auf einfachen Eigentumsdelikten (Ladendiebstähle, Versandhausbetrügereien, etc.)

Das gesellschaftliche Ausmaß von Gewalt und Delinquenz ist nicht durch einen überregulierten Wohlfahrtsstaat bestimmt sondern hängt vielmehr mit der Verteilung von Reichtum und Armut zusammen. Große Ungleichheit und Armut, also Gesellschaften mit einer kleinen Gruppe von Superreichen und einer großen und wachsenden Armutsbevölkerung weisen in der Regel auch höhere Kriminalitätsraten auf. In ungleichen Gesellschaften werden eher die Armen, statt der Armut bekämpft. Die Opfer des deregulierten Marktes werden kriminalisiert und bestraft, der Polizeistaat ersetzt den Wohlfahrtsstaat.

Ein Zusammenhang zwischen wenig Armut,  einem ausgebauten Wohlfahrtsstaat und niedriger Kriminalität kann gezogen werden. Die Texte zu Armut, Abweichung und Kriminalisierung wollen einen Beitrag  zum rationalen Diskurs über das Verhältnis von Armut und Kriminalität leisten und die dahinterstehenden Kriminalisierungsprozesse kritisch hinterfragen.

 

Dokumente zu Kriminalisierung

 

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