NEWS.
Newsletter
bestellen
Sozialhilfe: Verbesserungsgebot statt Verschlechterungsverbot!
Armutskonferenz appelliert an Finanzminister,
nicht mit dem völligen Scheitern der Mindestsicherung zu spekulieren.
(Aug. 09). Ausgangspunkt der Sozialhilfereform war ein Verbesserungsgebot, kein Verschlechterungsverbot, erinnert die Armutskonferenz die Regierung und besonders den Finanzminister an die Zielsetzung, den Föderalismus-Dschungel mit neun unterschiedlichsten Regelungen zu überwinden und das untere soziale Netz existenzsichernd, grundrechtsorientiert und bürgerfreundlich zu gestalten.
Im Ministerratsvortrag steht der Satz, dass in einer Arbeitsgruppe
die veränderten konjunkturellen und budgetären Rahmenbedingungen
zu bedenken seien. Die Opfer der Krise sollen jetzt also noch einmal
draufzahlen, während es für den Finanz- und Bankensektor mit den
Milliarden Steuergeldern nicht schnell genug gehen konnte,
vermögensbezogene Steuern tabuisiert und mit Steuergeld höchst unvorsichtige
Investments in Steueroasen getätigt werden. Die Armutskonferenz appelliert
an den Finanzminister, nicht mit dem völligen Scheitern der Mindestsicherung
zu spekulieren.
43 600 Kinder und Jugendliche müssen unter Sozialhilfe Bedingungen leben", betont die Armutskonferenz und weist auf eingeschränkte Zukunftschancen hin. Das ist ein Anstieg um 20%. Wir können etwas tun, so Sozialexperte Martin Schenk. Es gibt genügend Instrumente und Möglichkeiten im Vollzug der Sozialhilfe, in der Schule, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern. Armut ist kein Naturereignis, das es mit jeder neuen Statistik zu bestaunen gilt. http://www.armut.at/armutskonferenz_armut_in_oesterreich_sozialhilfeaktuell.htm
Nicht-Inanspruchnahme
Sozialhilfe ist keine Hängematte, sondern eher eine Abschreckungshilfe,
so die Armutskonferenz. 60 Prozent der Haushalte, denen Sozialhilfe zustünde,
nehmen diese nicht in Anspruch (Europ. Zentrum für Sozialforschung).
Doch wer schnell hilft, hilft doppelt. Die Ursachen für die geringe Inanspruchnahme
sind vielfältig: Da gibt es subjektive Faktoren wie Stigmatisierung,
Scham oder auch Stolz, besonders im ländlichen Raum, da gibt es institutionelle
Barrieren wie weite Wege oder auch negative Erfahrungen mit Ämtern sowie
gesetzliche Hürden.
http://www.armut.at/armutskonferenz_news_nontakeup_sozialhilfe_110707.htm
Willkür am Sozialamt
Eine österreichweite Erhebung der Armutskonferenz zeigt,
dass es im Sozialhilfevollzug der Länder grobe und rechtswidrige Mängel
gibt. Ohne Verbesserung des Vollzug-Wesens bleibt jede Sozialhilfereform ein
Papiertiger. Die Liste der Beispiele ist lang: Ein Drittel der Beratungseinrichtungen
berichtet, dass die Hilfesuchenden am Sozialamt Falschauskünfte erhalten.
17% der Hilfsorganisationen machen die Erfahrung, dass Sozialämter Anträge
ablehnen, 47% dass Rechte nur nach Intervention zugestanden werden. Allein
hätten Betroffene- obwohl anspruchsberechtigt - keine Chance gehabt.
Mehr als ein Drittel weiß von Demütigungen Bedürftiger in
den Ämtern. Die Hitliste der Beschämungen wird von herablassendem
Verhalten angeführt, aber auch Lächerlich machen und Unterstellungen
kommen nach den Erfahrung der sozialen NGOs häufig vor. Beihilfen -etwa
die Familienbeihilfe- werden von der Sozialhilfe abgezogen, obwohl das laut
Gesetz verboten ist. Länder zahlen eine niedrigere Sozialhilfe aus als
in ihren eigenen Gesetzen als Existenzminimum definiert ist. Die Hälfte
der Befragten berichtet von Soforthilfe, die es nicht gibt, weil Wochen und
Monate vergehen bis Sozialhilfe ausgezahlt wird. 45 Prozent sagen, dass es
Vorschüsse auf Sozialleistungen -wie im Gesetz vorgesehen- in der Praxis
"grundsätzlich nicht" gibt. Je nach Bundesland wird Unterstützung
beim Wohnen gewährt. Laut Studie sagen 70 Prozent der BeobachterInnen,
dass dieser Teilbetrag für Miete, Energie und Betriebskosten nicht ausreiche,
weil die Kosten tatsächlich viel höher sind.
http://www.armutskonferenz.at/armutskonferenz_news_studie_sozialhilfevollzug_0108.htm
Arbeitslosigkeit, working poor, Erschöpfungszustände
"Die Gründe für den Anstieg Hilfesuchender
in der Sozialhilfe sind die zunehmende Zahl an "working poor", nichtexistenzsichernde
Arbeitslosen- und Notstandshilfeleistungen, Arbeitslosigkeit, der Anstieg
an
psychischen Erkrankungen und gestiegene Lebenshaltungskosten beim Wohnen",
analysiert Sozialexperte Schenk. Es nehmen prekäre Jobs zu, mit daraus
folgendem nicht-existenzsicherndem Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe. Die
neuen "working poor" erhalten von der Sozialhilfe "Richtsatzergänzungen"
um zu Überleben. Weiters haben Personen mit physischen oder psychischen
Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt schlechte Chancen. Besonders nehmen
depressive Erschöpfungszustände zu. Dann treffen die steigenden
Lebenshaltungskosten beim Wohnen. Menschen mit geringem Einkommen überproportional
stark. Und in Sozialhilfestellen großer Städte gibt es eine höhere
Inanspruchnahme. Viele Hilfesuchende nehmen aus Scham im ländlichen Raum
die Leistung nicht in Anspruch., so die Armutskonferenz abschließend.
Mehr zur Sozialhilfe
Mehr zu Mindestsicherung
Mehr
NEWS

