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Sozialhilfe: 43.600 Kinder und Jugendliche betroffen
Anstieg bei Kindern um 20 %. Armutskonferenz: Wir
können etwas tun. Armut ist kein zu bestaunendes Naturereignis.
(28.06.09). "43 600 Kinder und Jugendliche müssen
unter
Sozialhilfe-Bedingungen leben", betont die Armutskonferenz und weist
auf eingeschränkte Zukunftschancen hin. Das ist ein Anstieg um 20%*
Wir können etwas tun, so Sozialexperte Martin Schenk.
Es gibt genügend Instrumente und Möglichkeiten im Vollzug der Sozialhilfe,
in der Schule, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern.
Armut ist kein Naturereignis, das es mit jeder neuen Statistik zu bestaunen
gilt.
"Die Gründe für den Anstieg Hilfesuchender in
der Sozialhilfe sind die zunehmende Zahl an "working poor", nichtexistenzsichernde
Arbeitslosen- und Notstandshilfeleistungen, Arbeitslosigkeit, der Anstieg
an psychischen Erkrankungen und gestiegene Lebenshaltungskosten beim Wohnen",
analysiert Sozialexperte Schenk. Es nehmen prekäre Jobs zu, mit daraus
folgendem nicht-existenzsicherndem Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe. Die
neuen "working poor" erhalten von der Sozialhilfe "Richtsatzergänzungen"
um zu Überleben. Weiters haben Personen mit physischen oder psychischen
Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt schlechte Chancen. Besonders nehmen
depressive Erschöpfungszustände zu. Dann treffen die steigenden
Lebenshaltungskosten beim Wohnen Menschen mit geringem Einkommen überproportional
stark. Und in Sozialhilfestellen großer Städte gibt es eine höhere
Inanspruchnahme. Viele Hilfesuchende nehmen aus Scham im ländlichen Raum
die Leistung nicht in Anspruch.
"Dazu kommen die ausgewiesenen Mängel der Sozialhilfe wie der willkürliche
Vollzug in den Ländern, mangelnde Krankenversicherung, fehlende Rechtssicherheiten,
undurchsichtige Richtsatzhöhen, falsche Anreizstrukturen in der Finanzierung
und hohe Nichtinanspruchnahme.", so die Armutskonferenz.
Ungelöste Fragen bei sog. Mindestsicherung
"Keine halben Lösungen für ganze Probleme",
wünscht sich das Anti-Armutsnetzwerk angesichts dieser wachsenden sozialen
Notlagen und weist auf die noch immer ungelösten Fragen des derzeitigen
Entwurfs zur sog. Mindestsicherung hin.
"Es kann keine Mindestsicherung geben, die diesen Namen verdient, ohne
dass die tatsächlichen Wohnkosten für Armutsbetroffene abgedeckt
werden, ohne die Sicherung österreichweiter Standards bei existentiellen
Nöten in besonderen Lebenslagen (kaputter Boiler, Schulsachen, etc),
ohne eine Reform des Vollzug der Sozialhilfe in den Ländern und ohne
Reform der aktiven Arbeitsmarktpolitik", so die Armutskonferenz abschließend.
* Anstieg von 2006 auf 2007. Die heute publizierte Sozialhilfestatistik
weist Zahlen noch vor der Finanzkrise aus
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